Hamburger Kommission Lehrerbildung, Reform der Lehrerbildung in Hamburg - Abschlussbericht, Hamburg 2000. (Auszug)
(Im November 2000 hat die Hamburger Kommission Lehrerbildung (HKL) unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Jürgen Oelkers (Universität Zürich) eine Situationsanalyse der Lehrerbildung in Hamburg und Empfehlungen zu ihrer Weiterentwicklung vorgelegt. "Der Bericht behandelt zentrale Aspekte der Reform der gesamten Lehrerbildung, die als Einheit angesehen wird."
Der Bericht definiert drei "Prioritäre Themen für die Ausbildung":
- Neue Medien
- Umgang mit kultureller und sozialer Heterogenität
- Schulentwicklung
Wir dokumentieren hieraus als immer noch aktuelle Anregung den ersten Bereich. Er ist gegliedert in:
8. Prioritäre Themen für die Ausbildung S. 130
8.1. Neue Medien S. 137
8.1.1. Neue Medien als Mittel und Gegenstand von Lehren und Lernen S. 137
8.1.2. Zielvorstellungen im Bereich neuer Medien für die Lehrerbildung S. 140
8.1.3. Umsetzung in der ersten Phase der Lehrerausbildung S. 141
8.1.4. Umsetzung in der zweiten Phase der Lehrerausbildung S. 144
8.1.5. Umsetzung in der Berufseingangsphase und in der Lehrerfortbildung S. 146
8.1.6. Entwicklung förderlicher Rahmenbedingungen S. 147
Der vollständige Text des Berichts ist auf dem Server des Zentrums für Lehrerbildung Hamburg
http://www.zlh-hamburg.de/zlh/wp-content/uploads/2007/07/bericht-hkl-gesamt.pdf
zu finden.)
8. Prioritäre Themen für die Ausbildung
Die Kommission "geht davon aus, dass für die künftige Entwicklung von Lehrerbildung und Schule die folgenden drei Themen auf absehbare Zeit unbedingten Vorrang haben werden:
1) Neue Medien als Mittel und Gegenstand von Lehren und Lernen,
2) Umgang mit kultureller und sozialer Heterogenität und
3) Schulentwicklung." ...
"Die Setzung dieser Themen wird von der Kommission wie folgt begründet:
Die Nutzung neuer Medien für Lehr- und Lernprozesse sowie die Auseinandersetzung mit ihren Möglichkeiten und Grenzen bzw. ihren Chancen und Risiken stellen mittlerweile selbstverständliche Forderungen für alle Schulstufen und Bildungsgänge dar. Grund dafür ist die Einschätzung, dass den Medien und Informationstechnologien schon heute und noch mehr in der Zukunft für Wirtschaft und Politik, Individuum und Gesellschaft, Freizeit und berufliches Handeln eine eminente Bedeutung zukommt. Die reflektierte Nutzung und Fähigkeit zur kritischen Einschätzung von Medieninformationen wird angesichts der Tatsache, dass Medien und Informationstechnologien immer mehr Lebensbereiche durchdringen und beeinflussen für die Teilhabe am beruflichen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben immer bedeutsamer.
Umso erstaunlicher ist es, dass der Bereich Medien und Informationstechnologien in der Lehrerbildung bisher nur relativ wenig Beachtung gefunden hat. Abgesehen von einzelnen bildungspolitischen Forderungen (vgl. KMK 1995, 1997; Ministerium für Schule und Weiterbildung 2000) und einzelnen Modellvorhaben (etwa: TULODZIECKI/ BLÖMEKE 1997; SCHULZ-ZANDER 1999) hat die Frage der (Seite 129:) neuen Medien noch lange nicht den Stellenwert in der Lehrerbildung, der ihr angesichts der bildungspolitischen Diskussion und gesellschaftlichen Bedeutung zukommen müsste. Selbst im Abschlussbericht der KMK-Kommission zu den "Perspektiven der Lehrerbildung in Deutschland" ist dem Thema nur ein kurzer Abschnitt gewidmet (TERHART 2000, S. 73ff.), der wohl auf mediale Veränderungen in der Schule eingeht, aber nicht sagt, wie sich mit den neuen Medien die Lehrerbildung verändern soll.
Aus der Sicht der Kommission ist es nicht vertretbar, dass Mediennutzung und Medienkompetenz, bzw. mediale Bildung ins Zentrum der allgemeinen und beruflichen Bildung rücken, die Lehrerbildung sich aber insgesamt mit dem Thema nur sehr zögerlich auseinander setzt.
Das Grundbild für die Qualifizierung von Lehrerinnen und Lehrern ist immer noch stark vom herbartianischen Modell der unterrichtenden einzelnen Lehrkraft bestimmt, die wesentlich mit sich und ihren situativ präsentierbaren Kompetenzen Wissen und Können vermittelt. Die Kommission ist der entschiedenen Auffassung, dass dieses historische Leitbild aufgelöst und ersetzt werden muss durch ein neues Leitbild, das von den Möglichkeiten medialer Lehr- und Lernprozesse geprägt ist.
Zu diesem Leitbild gehören unter anderem
- das Lernen mit und über Medien,
- die professionelle Nutzung des Internet,
- die Konzeption und Bereitstellung computerbasierter Lernumgebungen,
- das Lernen in virtuellen Welten,
- die Reflexion des Lernens mit Medien im Rahmen einer kritischen Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken neuer Informations- und Kommunikationstechnologien,
- die Abstimmung von selbstgesteuerten und lehrergeleiteten Lernphasen,
- die Verbindung von schulischem und außerschulischem Lernen mit neuen Modellen zur Lehr- und Lernzeit sowie Lehr- und Lernorganisation,
- eine neue Bestimmung von grundlegendem Wissen und Können sowie der Bedeutung von Informationsangebot und Informationsbeschaffung sowie Informationsbewertung.
(Seite 130: ) Die Lehrerbildung muss entsprechende Anforderungen aufnehmen und sicherstellen, dass die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer Medien und Informationstechnologien bereits in ihrer Ausbildung als Mittel und Gegenstand von Lehren und Lernen erfahren sowie mit den neuen Formen der Lehr- und Lernorganisation umgehen lernen. Sie sollen so die Möglichkeit erhalten, sich auf der Basis eigener Erfahrungen auf die lerntechnologischen Entwicklungen ihres Berufsfeldes einzustellen.
Das Berufsfeld wird sich unter dem Druck der neuen Möglichkeiten weitgehend verändern. Bislang haben Lehrerbildung und Schule es sich leisten können, die Entwicklung nicht forciert voran zu bringen und eher zögerlich oder auch abwehrend zu reagieren. Der Druck des internationalen Bildungswettbewerbs, der sich wesentlich medial vollzieht, wird das innerhalb kurzer Zeit ändern. Die klassische Einstellung, dass neue Medien nichts grundsätzlich an der herbartianischen Grundsituation des Unterrichtens ändern (CUBAN 1986), lässt sich nicht länger halten. Das Internet ist kein zweiter Fall "programmierter Unterricht". Diese Feststellung schließt nicht aus, dass die neuen Medien auch klassische Unterrichtsaufgaben abverlangen wie
- Stärkung der elementaren Kompetenzen etwa im Bereich des Lesens,
- Übersicht und Einordnung der medialen Informationsangebote,
- Einsicht in die Herstellung und Kommunikation des Wissens." (Seite 133: )
8.1. Neue Medien
Die folgenden Empfehlungen stellen zunächst die neuen Medien als Mittel und Gegenstand von Lehren und Lernen vor, formulieren dann Zielvorstellungen für die Lehrerbildung, skizzieren die Um- (Seite 134: ) setzungen der Ziele für die Phasen der Lehrerausbildung und gehen schließlich auf die Entwicklung förderlicher Rahmenbedingungen für diese Umsetzungsprozesse ein.
8.1.1. Neue Medien als Mittel und Gegenstand von Lehren und Lernen
Medienverwendung, Medienerziehung und Medienbildung müssen sich an dem allgemeinen Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule orientieren. Dieser ist mit dem Anspruch verknüpft, dass Schülerinnen und Schüler die Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben, die ihnen eine selbstbestimmte Gestaltung des persönlichen Lebens, die Mitgestaltung sozialer Zusammenhänge, eine verantwortliche Tätigkeit in der Berufs- und Arbeitswelt, Mitbestimmung in Gesellschaft und Politik, Teilhabe an der kulturellen Welt und solidarisches Handeln ermöglichen. Dies bedeutet, dass in die schulischen Erziehungs- und Bildungsprozesse auch die Auseinandersetzung mit den neuen Medienentwicklungen in kritischer und reflexiver Absicht integriert werden sollte.
In so verstandenen Erziehungs- und Bildungsprozessen sollen Schülerinnen und Schüler die notwendigen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten für ein sachgerechtes, selbstbestimmtes, kreatives und sozialverantwortliches Handeln in einer von Medien beeinflussten Welt erwerben können.
In diesem Rahmen stellen sich für Lehrerinnen und Lehrer folgende Anforderungen:
- Nutzung der Medien und Informationstechnologien für Lehren und Lernen,
- Wahrnehmung von Erziehungs- und Bildungsaufgaben im Medienbereich,
- Mitgestaltung medienpädagogischer Konzepte in der Schule.
In die folgenden Empfehlungen fließen Überlegungen aus dem Rahmenkonzept "Zukunft des Lehrens - Lernen für die Zukunft. Neue Medien in der Lehrerausbildung" ein (Ministerium für Schule und Weiterbildung 2000).
(Seite 135: ) Die unterrichtliche Mediennutzung soll zur Entwicklung und Unterstützung handlungsorientierter, selbst gesteuerter Lernprozesse und kooperativer Arbeitsformen beitragen. Die Potenziale neuer Medien kommen im Sinne eines lern- und entwicklungsfördernden Unterrichts besonders dann zur Geltung, wenn sie in ein problem-, entscheidungs-, gestaltungs- und beurteilungsorientiertes Vorgehen eingebunden sind. Dabei können Medien als Mittel der Präsentation von Aufgaben, als Informationsquelle und Lernhilfe, als Werkzeug und Instrument für Aufgabenlösungen, als Gegenstand von Analysen und zur Unterstützung von Planung sowie als Mittel der Darstellung von Lernergebnissen und Austausch dienen.
Neben der reflektierten Nutzung von Medien geht es in der Schule um die Wahrnehmung der - mit den Medienentwicklungen verbundenen - Erziehungs- und Bildungsaufgaben. Diese sollen sich sowohl auf die Nutzung vorhandener Medienangebote, z.B. von Büchern, Radio, Fernsehen, Computern und vernetzten Informations- und Kommunikationssystemen für verschiedene Zwecke, als auch auf die eigene Gestaltung von Medienprodukten, z.B. die Erstellung einer Zeitung, eines Hörbeitrags, einer Videodokumentation oder einer Internetpräsentation beziehen.
Um in solchen Zusammenhängen sachgerecht, selbstbestimmt, kreativ und sozialverantwortlich handeln zu können, benötigen die Schülerinnen und Schüler Kenntnisse sowie Analyse- und Urteilsfähigkeit in mindestens drei inhaltlichen Bereichen:
- im Bereich der Gestaltungsmöglichkeiten, die in Medien Verwendung finden: vom realitätsnahen Foto eines berühmten Bauwerks bis zur grafischen Darstellung der Bevölkerungsentwicklung auf unserem Planeten, von filmischen Gestaltungstechniken wie Einstellungsperspektiven und Montage bis zu computerbasierten Techniken der Bildbearbeitung,
- im Bereich der Nutzungsvoraussetzungen und -wirkungen von Medien: von individuellen Einflüssen auf Gefühle, Vorstellungen und Verhaltensorientierungen bis zur Bedeutung der Maßen- und Individualkommunikation für die öffentliche Meinungs- und die politische Willensbildung,
- im Bereich der Bedingungen von Medienproduktion und -verbreitung: von technischen Voraussetzungen für die Nutzung (Seite 136: ) von Medien bis zu personalen Bedingungen in einer Rundfunkanstalt, von rechtlichen Bestimmungen zum Datenschutz bis zu wirtschaftlichen Interessen der Computerindustrie und der Netzprovider bzw. der dahinter stehenden Konzerne.
Mit Blick auf die erwähnten Handlungs- und Inhaltsbereiche geht es in der Medienerziehung und Medienbildung insgesamt um die Fähigkeit und Bereitschaft,
- Medienangebote sinnvoll auszuwählen und zu nutzen,
- eigene Medienbeiträge zu gestalten und zu verbreiten,
- Mediengestaltungen zu verstehen und zu bewerten,
- Medieneinflüsse zu erkennen und aufzuarbeiten,
- Bedingungen der Medienproduktion und -verbreitung zu durchschauen und zu beurteilen (vgl. TULODZIECKI 1997).
Bei der Umsetzung dieser Inhalte bzw. Aufgaben sollte in besonderer Weise berücksichtigt werden, dass es Differenzen zwischen den Geschlechtern beim Zugang zum Computer, beim Nutzungsverhalten und bei Einstellungen und Interessen gibt. Insofern kommt es darauf an, für beide Geschlechter geeignete Zugänge bei der Nutzung und bei der Auseinandersetzung mit Medien und Informationstechnologien zu finden und zu praktizieren.
Mediennutzung sowie Medienerziehung und Medienbildung werden im schulischen Rahmen allerdings nur dann dauerhaft verankert sein, wenn Schulen diese Anforderungen systematisch als fächerübergreifende Aufgabe ansehen. Dies kann sich darin ausdrücken, dass die Schulen jeweils - unter Beachtung der schulspezifischen Bedingungen - ein medienpädagogisches Konzept als Bestandteil ihres Schulprofils bzw. Schulprogramms entwerfen und umsetzen. Auch im Hinblick darauf kommt der Qualifizierung der Lehrerinnen und Lehrer eine besondere Bedeutung zu. (Seite 137: )
8.1.2. Zielvorstellungen im Bereich neuer Medien für die Lehrerbildung
Auf fünf Zielbereiche ist besonderes Gewicht zu legen:
1) Stärkung der Medienkompetenz einschließlich der angemessenen technischen Handhabung von Medien und Informationstechnologien,
2) Erwerb von Kenntnissen zur und Sensibilität für die Bedeutung von Medien für Kinder und Jugendliche,
3) Befähigung zur reflektierten Nutzung von Medien und Informationstechnologien für Lehren und Lernen,
4) Befähigung zur Wahrnehmung von Erziehungs- und Bildungsaufgaben im Bereich von Medien und Informationstechnologien,
5) Befähigung zur Mitwirkung an der Gestaltung medienpädagogischer Konzepte in der Schule.
Dieser Zielkatalog beschreibt einen allgemeinen Rahmen für die Lehrerbildung. In diesem Rahmen können unterschiedliche Akzente für die verschiedenen Phasen der Lehrerbildung gesetzt werden.
In der ersten Phase der Lehrerausbildung sollten die Akzente bei der Weiterentwicklung der Medienkompetenz, bei dem Erwerb wissenschaftlicher Grundlagen für die verschiedenen Felder medienpädagogischer Kompetenz und bei ersten Entwürfen und ihrer Umsetzung sowie bei Reflexionen mit Bezug auf berufliche Aufgaben liegen.
In der zweiten Phase der Ausbildung können dann die Einordnung und die Umsetzung der Kenntnisse und Fähigkeiten im Kontext unterrichtlichen und schulischen Handelns im Mittelpunkt stehen.
In der Lehrerfortbildung könnte es auf dieser Basis vorrangig um die Weiterentwicklung der Kenntnisse und Fähigkeiten und eine systematische Verbindung mit Prozessen der Schulentwicklung gehen.
Im Folgenden werden zunächst Hinweise für die universitäre Lehrerausbildung gegeben, ehe die Frage der Umsetzung in Studienseminar, Berufseingangsphase und Lehrerfortbildung aufgegriffen wird. (Seite 138: )
8.1.3.Umsetzung in der ersten Phase der Lehrerausbildung
Das Lehrangebot an den Hochschulen sollte - im Rahmen der Aufgaben des Lehramtsstudiums - Veranstaltungen mit folgenden Themen umfassen:
- Theorien und Konzepte zu Fragen von Medien und Informationstechnologien:
In einer solchen Veranstaltung sollten die Medienlandschaft und ihre Bedeutung für Sozialisation, Erziehung und Bildung sowie medientheoretische, mediendidaktische und medienerzieherische Grundlagen, Konzepte der informations- und kommunikationstechnologischen Grundbildung im Rahmen der Aufgaben von Schule im Bereich von Medien und Informationstechnologien thematisiert werden.
?- Auswahl und Nutzung von Medien und Informationstechnologien für unterschiedliche Funktionen:
Hier sollte es um Merkmale von Medien und Software, um Nutzungsmöglichkeiten für Information und Lernen, für Problemlösen und Kooperation, für Kommunikation und Unterhaltung sowie um die Analyse und Kritik von Medienangeboten, Rezeptionssituationen und Produktionsbedingungen gehen.
- Entwicklung, Gestaltung und Produktion von Medien und Software:
Im Mittelpunkt sollten Gestaltungsmöglichkeiten bei Medien und Software, bei Kriterien für die Nutzung verschiedener Gestaltungsmöglichkeiten, bei informatischen Grundlagen, bei Schritten der Medienentwicklung und -verbreitung und bei Möglichkeiten der Präsentation und Verbreitung selbsterstellter Medien stehen.
- Grundlagen der Verwendung von Medien und Informationstechnologienin Lehr- und Lernprozessen:
Schwerpunktmäßig sollten lehr-lerntheoretische Grundlagen der Medienentwicklung, Konzepte der Verwendung von Medien und Software in unterrichtlichen Zusammenhängen, Analyse und Bewertung von Unterrichtsmedien, Fragen der Entwicklung von Unterrichtseinheiten und Projekten mit Medienverwendung, neue Formen des Lehrens und Lernens, Veränderungen von Unterrichts- und Schulstrukturen durch Medienverwendung behandelt werden. (Seite 139: )
- ?Nutzung von Medien und Informationstechnologien im fachlichen und überfachlichen Unterricht:
Hier sollten fachrelevante Gestaltungselemente von Medien und Software, das fachbezogene und fächerübergreifende Angebot sowie dessen Analyse und Bewertung, der Entwurf von fachlichen Unterrichtseinheiten und fächerübergreifenden Projekten mit Nutzung von Medien, Software und informationstechnischen Systemen besprochen werden.
- Erziehungs- und Bildungsaufgaben im Bereich von Medien und Informationstechnologien:
Besonders zu thematisieren sind "Medienwelten" und "Medienhandeln" von Kindern und Jugendlichen im Lichte der Rezeptionsforschung unter Beachtung von Geschlechterdifferenzen, Prinzipien und Konzepte der Medienerziehung und informations- und kommunikationstechnologischen Grundbildung, die Analyse und Bewertung sowie der Entwurf von Unterrichtseinheiten und Projekten, die Einbettung von Medienerziehung und informations- und kommunikationstechnologischer Grundbildung in den curricularen Zusammenhang von Schule sowie Beispiele gemeinsamer Projekte mit der außerschulischen Jugend-, Sozial- und Kulturarbeit.
- ?Medienerziehung und Medienbildung im fachlichen und fächerübergreifenden Unterricht:
Thema solcher Veranstaltungen sollten Veränderungen im herkömmlichen Gegenstandsbereich des Faches und die Reflexion struktureller und systematischer Veränderungen des Faches durch die Entwicklungen im Bereich von Medien und Informationstechnologien, die Analyse und Bewertung sowie der Entwurf fachrelevanter Unterrichtseinheiten und fächerübergreifender Projekte sein.
Außer den oben genannten Veranstaltungen sollte es - je nach den an der jeweiligen Hochschule vertretenen Disziplinen - ein erweiterndes Wahlangebot geben, z.B. zur Medienethik, zur Medienpsychologie, zur Mediensoziologie, zur Kommunikationswissenschaft oder zur Informatik.
Im Hinblick auf den Stellenwert der Veranstaltungen im Rahmen des Lehramtsstudiums sollte eine angemessene Verankerung (Seite 140: ) im Pflicht-, Wahlpflicht- und Wahlbereich der Studienordnungen angestrebt werden. Diese Veranstaltungen können in Form von Vorlesungen, Seminaren, Übungen oder Projekten konzipiert und mit angemessenen Phasen individuellen und kooperativen Lernens durchgeführt werden. Aus den Veranstaltungen können jeweils verschiedene Seminararbeiten zu Fragen von Medien und Informationstechnologien oder auch bestimmte Medienprodukte erwachsen. Außerdem sollten in den Veranstaltungen - soweit es möglich ist - Bezüge zur Schulpraxis hergestellt und Umsetzungen, z.B. im Rahmen schulpraktischer Studien, vorbereitet werden. Des Weiteren können die medienbezogenen Veranstaltungen auch in die Wahl von Medienthemen für die Prüfung, unter Umständen auch in schriftliche Hausarbeiten im Rahmen des Ersten Staatsexamens einmünden.
Zusatzqualifikation als erweiternde Möglichkeit:
Wenn die Universität Hamburg ein geeignetes Lehrangebot im Zusammenwirken von Erziehungswissenschaft und Fachdidaktiken sowie Fachwissenschaften zusammenstellen kann, empfiehlt es sich zu prüfen, ob die Einrichtung eines Studiengangs für den Erwerb einer Zusatzqualifikation zu "Medien und Informationstechnologien in Erziehung, Unterricht und Bildung" sinnvoll ist. Bei der Konzeption eines entsprechenden Studiengangs sollte erwogen werden, Studienleistungen im Fern- oder Selbststudium mit Studienleistungen in Präsenzveranstaltungen zu kombinieren. Eine solche Zusatzqualifikation könnte für Studierende vorgesehen werden, die über einen möglichst großen Teil der studienintegriert angebotenen Lehrveranstaltungen zu Medien und Informationstechnologien hinaus weitere Studienleistungen erbringen und damit einen besonderen Schwerpunkt im Bereich neuer Medien setzen.
Absolventinnen und Absolventen mit entsprechenden Qualifikationen sind zum einen für die Weiterentwicklung von medienbezogenen Aktivitäten in den Studienseminaren wichtig und zum anderen für die Umsetzung der medienbezogenen Erziehungs- und Bildungsaufgaben in den Schulen. Insbesondere sollen (Seite 141: ) Absolventinnen und Absolventen mit der Zusatzqualifikation in schulischen Gruppen arbeiten können, die ein medienpädagogisches Konzept für die jeweilige Schule entwickeln und ggf. die Arbeit mit Medien und Informationstechnologien als Bestandteil des Schulprofils bzw. Schulprogramms gestalten. Darüber hinaus soll die Zusatzqualifikation ggf. den Zugang zu anderen beruflichen Tätigkeiten erleichtern und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt generell erhöhen.
Für die Zusatzqualifikation sollten Studienleistungen im Umfang von ca. 30 Semesterwochenstunden (SWS) und eine mündliche Prüfung gefordert werden.
Die geforderten Studienleistungen sollten sich beziehen auf
- theoretische Grundlagen zu Medien und Informationstechnologien in Erziehung, Bildung und Gesellschaft sowie auf Medienverwendung und Medienproduktion,
- Grundlagen und Konzepte der Verwendung von Medien in Lehr- und Lernprozessen,
- Grundlagen und Konzepte für Erziehungs- und Bildungsaufgaben im Medienbereich und ihrer Einbettung in die Schule sowie auf
- ein vierwöchiges Praktikum in einer Medieninstitution.
8.1.4.Umsetzung in der zweiten Phase der Lehrerausbildung
Im Zuge der Seminarprogrammentwicklung sollen die Studienseminare Ausbildungselemente ausweisen, die sich gezielt auf die Förderung medienpädagogischer Kompetenz der Lehramtsanwärterinnen und -anwärter ausrichten. Im Rahmen des jeweiligen Seminarprogramms sind bestimmte Arbeitsformen und Ausbildungsinhalte der Obligatorik zuzuordnen, andere können als Möglichkeiten zur individuellen Schwerpunktsetzung angeboten werden.
In Veranstaltungen des Hauptseminars sollte es darum gehen, an der Hochschule erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten aufzugreifen und systematisch in den Kontext beruflicher Aufgaben zu stellen. (Seite 142: )
In den Fachseminaren sollten Inhalte folgender Art thematisiert werden:
- Nutzung von Medien und Informationstechnologien bei der Bearbeitung fachlicher Aufgaben:
Die Bearbeitung fachspezifischer Aufgaben kann durch den Einsatz von Medien und Informationstechnologien in vielfältiger Weise unterstützt werden. In Fachseminaren sollten entsprechende Möglichkeiten aufgezeigt, diskutiert, erprobt und Ideen zur unterrichtlichen Einbettung gesammelt werden. Dabei ist an den Einsatz des Computers als Werkzeug (etwa zur Messwerterfassung und Modellbildung im naturwissenschaftlichen Unterricht), aber auch als Hilfsmittel zur Informationsgewinnung, -verarbeitung und -präsentation zu denken.
Die Einführung in die fachspezifische Nutzung von Medien und Informationstechnologien sollte stets begleitet sein von einer Reflexion der Vor- und Nachteile des Computereinsatzes bei der Lösung der jeweiligen Aufgaben.
- Planung und Auswertung des Einsatzes von Medien und Informationstechnologien im Fachunterricht:
Über Erfahrungen und Reflexionen zur Verwendung von Medien und Informationstechnologien für die Lösung fachspezifischer Aufgaben hinaus muss es im Fachseminar um die Feststellung von Rahmenbedingungen für den konkreten Einsatz im Fachunterricht, um die exemplarische Planung entsprechender Unterrichtseinheiten und deren Durchführung und Auswertung gehen.
Dabei sind besonders solche Lehr- und Lernformen von Interesse, die die Selbsttätigkeit und Aktivierung der Schülerinnen und Schüler unterstützen und fördern.
- Diskussion von Fachsoftware:
Der Markt der Fachsoftware sollte von den Fachleiterinnen und Fachleitern sorgsam beobachtet und im Fachseminar durch Sichtung und Erprobung ausgewählter Programme thematisiert werden. Dabei ist die didaktische Eignung, Leistung und Einbindung von Software im Vergleich zu anderen Medien kritisch zu diskutieren. In diesem Zusammenhang sollten auch die unterrichtsorganisatorischen Voraussetzungen, die Lernvoraussetzungen sowie die Ziele der Softwarenutzung erörtert und in exemplarische Unterrichtsplanungen umgesetzt werden. (Seite 143: )
- Beiträge des jeweiligen Faches zur Medienerziehung bzw. zur informations- und kommunikationstechnologischen Grundbildung:
Der Beitrag der einzelnen Fächer zur Medienerziehung bzw. zur informations- und kommunikationstechnologischen Grundbildung sollte durch die Information über deren Ziele und Ansätze sowie durch die Diskussion ausgewählter Beispiele und Ideen ausgelotet werden. Außer solchen Veranstaltungen sollen im Studienseminar die Möglichkeiten von Studientagen, Projektphasen, Arbeitsgemeinschaften, Schulgruppenarbeit und Lehrübungen sowie Hausarbeiten für die Medienerziehung genutzt werden.
8.1.5.Umsetzung in der Berufseingangsphase und in der Lehrerfortbildung
Wenn die erste und zweite Phase der Lehrerausbildung gemäß den Vorschlägen der Kommission gestaltet werden, können die Akzente in der Berufseingangsphase und in der Lehrerfortbildung auf die Frage gerichtet sein, wie Medienverwendung und Medienerziehung bzw. informations- und kommunikationstechnologische Grundbildung unter schulischen Bedingungen realisiert, medienpädagogische Aktivitäten in der Schule intensiviert sowie schulspezifische medienpädagogische Konzepte entwickelt und erprobt werden können.
Derzeit kann die Lehrerfortbildung jedoch noch nicht von entsprechenden Voraussetzungen ausgehen. Demgemäß sollten die zurzeit laufenden Fortbildungsaktivitäten drei wichtige Orientierungen haben: Es geht bei den beteiligten Lehrerinnen und Lehrern um die Entwicklung von Medienkompetenz im Bereich neuer Medien, um den Aufbau von medienpädagogischer Kompetenz und um die Umsetzung in der Schule.
- Insgesamt sollten Aktivitäten im Bereich von Medien und Informationstechnologien in der Berufseingangsphase und in der Fortbildung von den individuellen Voraussetzungen der Lehrerinnen und Lehrer und vorhandenen schulischen Bedingungen (Seite 144: ) für die Medienbildung ausgehen und bedarfsgerecht konzipiert werden,
- persönliche Qualifizierungen und die Entwicklung schulspezifischer Konzepte zur Medienbildung und ihre Realisierung als Ziel haben, _ in Abstimmung zwischen beteiligten Schulen sowie Lehrergruppen aus den Schulen unter Einbindung der Schulaufsicht geplant, durchgeführt und evaluiert werden,
- einen Wechsel von gemeinsamen Veranstaltungen mit geeigneten medienpädagogischen Qualifizierungsmöglichkeiten und unterrichtlichen sowie schulspezifischen Bestandsaufnahmen, Planungs- und Umsetzungsphasen ermöglichen,
- verschiedene Lern-, Arbeits- und Kommunikationsformen unter besonderer Nutzung von Medien und Informationstechnologien sowie unter Einbindung lokaler Medieninstitutionen umfassen,
- in ein regionales Beratungs- und Unterstützungssystem eingebunden sein und eigene Beiträge zu dessen Weiterentwicklung erbringen.
8.1.6. Entwicklung förderlicher Rahmenbedingungen
Zur Umsetzung der Ziele und der genannten Themen im Rahmen der Lehrerbildung sind folgende Entwicklungen vorrangig:
- Entwicklung im Bereich der Lehr-, Lern- und Arbeitsformen,
- im Bereich der technischen Infrastruktur,
- im Bereich der Personal- und Organisationsstruktur.
Entwicklungen im Bereich der Lehr-, Lern- und Arbeitsformen:
Bei der Durchführung von Veranstaltungen sollten Medien und Informationstechnologien sowohl Gegenstand als auch Mittel des Lehrens und Lernens sein. Werden Medien und Informationstechnologien auch als Mittel des Lehrens und Lernens verwendet, erfahren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer deren Möglichkeiten und (Seite 145: ) Grenzen im eigenen Tun. Modelllernen kann als Basis für die spätere eigene Praxis stattfinden. Insbesondere sollten folgende Möglichkeiten entwickelt und genutzt werden:
- Präsentationen von Software mit festinstallierten oder mobilen Geräten,
- Lernen und Arbeiten mit Lerngruppen in Computerlaboren bzw. Multimedia- Seminarräumen,
- eigenes Gestalten von Software an betreuten Einzelarbeitsplätzen und Einbringen der Produkte in die Gruppendiskussion,
- Analyse und Bewertung von Lernsoftware an Einzelarbeitsplätzen und Diskussion der Ergebnisse in Lerngruppen,
- entdeckendes und kooperatives Lernen in Arbeitsgruppen und Tutorien in einer multimedialen Lernwerkstatt bzw. einem pädagogischen Computerzentrum,
- Teilnahme bzw. Mitwirkung an virtuellen Seminaren,
- Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von unterrichtlichen Erprobungen mit Schülergruppen,
- Planung und Durchführung von Projekten zur Lernforschung,
- Vor- und Nacharbeiten vom häuslichen Computer aus.
Bei solchen Lern-, Arbeits- und Kommunikationsformen kann u.a. auf Angebote aus Bildungsservern sowie auf weitere Bildungs-, Informations- und Kommunikationsangebote im Netz zugegriffen werden.
Die technischen Möglichkeiten können darüber hinaus genutzt werden, um in einen Austausch mit Lernenden und Lerngruppen an anderen deutschen, europäischen oder außereuropäischen Institutionen der Lehrerbildung zu treten. Dozenten und Lernende an verschiedenen Standorten können gemeinsame Veranstaltungen durchführen oder Lerngemeinschaften bilden. Des Weiteren ist es denkbar, einzelne Studienmodule aus dem Angebot nationaler oder internationaler Universitäten wahrzunehmen und in die jeweiligen Lernaktivitäten zu integrieren.
Mit der Realisierung solcher Lern-, Arbeits- und Kommunikationsformen können Aus- und Fortbildung im Sinne eines stärker selbstständigen und selbstverantworteten und zugleich kooperativen Lernens gestaltet werden.
Allerdings sollten entsprechende (Seite 146: ) Wandlungen durch ein geeignetes Beratungs- und Unterstützungssystem sowie durch ein angemessenes Verhältnis von selbständigen und angeleiteten sowie von individuellen und sozialen Lernphasen gekennzeichnet sein. Unter diesen Voraussetzungen lässt sich die Studien- und Lernkultur in der Lehrerbildung in förderlicher Weise weiterentwickeln.
Entwicklung einer geeigneten technischen Infrastruktur:
Die Frage einer geeigneten (technischen) Infrastruktur ist eng verknüpft mit der Gestaltung der Lehr-Lern-Situationen. Die etablierte bzw. zu entwickelnde Infrastruktur sollte unterstützend für die verschiedenen Lehr- und Lernformen sein und entsprechend umfassend ausgerichtet werden.
Dabei sind mit der Infrastruktur nicht nur technische Systeme gemeint, sondern ebenso die räumlichen Bedingungen, die Softwareausstattung, einschlägige Literatur und Unterrichtsmaterialien. Der Ausbau der Infrastruktur kann sich auf die Informations- und Kommunikationstechnologien konzentrieren - vorausgesetzt, die herkömmlichen Medienbereiche, z.B. Video, sind in den zurückliegenden Jahrzehnten an den Institutionen der Lehrerbildung durch eine hinreichende technische Ausstattung in zufrieden stellender Weise berücksichtigt worden.
Im Hinblick auf den Aufbau oder die Weiterentwicklung einer geeigneten technischen Infrastruktur - sollte ausgehend von den Anforderungen, die sich aus dem jeweiligen konzeptionellen Rahmen ergeben - eine Bestandsaufnahme erfolgen. Auf dieser Grundlage sollten Schritte geplant und Finanzierungsmöglichkeiten geprüft werden, die letztlich zu einem breiten Spektrum von Lern- und Arbeitsmöglichkeiten führen.
Im Folgenden werden die dafür notwendigen Ausstattungen und Einrichtungen sowie Räume kurz skizziert. Wichtig ist, dass die jeweiligen Funktionalitäten verfügbar sind. Dabei können in einzelnen Räumen unter Umständen mehrere Funktionen bereitgestellt werden. Die Frage, wo sich die verschiedenen technischen Einrichtungen bzw. Räume befinden, muss für die jeweiligen Institutionen bedingungsgerecht entschieden werden. (Seite 147: )
Für Veranstaltungen können neue Medien zur Präsentation multimedialer Dokumente, als Werkzeuge oder als Analysegegenstand genutzt werden. Da eine Vollversorgung aller Räume mit entsprechenden Geräten nicht abzusehen ist, bieten mobile Einheiten - bestehend aus einem multimedia- und netzwerkfähigen Notebook, einem mobilen Datenprojektor (Beamer) sowie Aktivlautsprechern - eine sinnvolle Alternative.
Ein sinnvolles Arbeiten in Multimedia-Seminarräumen ist nur dann sichergestellt, wenn für maximal zwei Lernende ein Arbeitsplatzrechner zur Verfügung steht. Die Arbeitsplatzrechner müssen in einem lokalen Netzwerk miteinander und mit dem Internet verbunden sein. Um für das Arbeiten in Kleingruppen nicht durch die Monitore zu stören, ist es sinnvoll, die Monitore unter einer Glasplatte zu montieren oder die Möglichkeit einzurichten, sie zu versenken.
Eine Multimedia-Lernumgebung sollte Informationen bereitstellen, Recherchemöglichkeiten bieten, individuelles, kommunikatives und kooperatives Arbeiten unterstützen. Zu den wichtigsten Kommunikationsmöglichkeiten gehören E-Mail, Diskussionsforen (News-Groups) und Konferenz- oder Chat-Foren. Es sollte ein Kommunikationsserver vorhanden sein, der als Plattform für gängige Kommunikationsprotokolle und -dienste im Internet bzw. Intranet dient, Datenschutz und -sicherheit gewährleistet sowie wesentliche Groupware-Funktionalitäten unterstützt (shared workspaces, Dokumentenverwaltung, hierarchische Zugriffsrechte, group-awareness und Projektplanungstools). Akustische Kommunikationsformen (Telefonkonferenz) oder bildliche Unterstützungen (Bildtelefon, Videokonferenzen) sind wünschenswert. Weiter sollten Möglichkeiten gegeben sein, eigene Webseiten zu erstellen oder aufzubereiten. Dies setzt zusätzlich einige Peripheriegeräte voraus. Dazu gehören ein Scanner, eine Digitalkamera und ggf. eine Videokamera sowie entsprechende Bearbeitungswerkzeuge.
Neben solchen Multimedia-Seminarräumen für angeleitetes Lernen in Lerngruppen sollte eine Medienwerkstatt eingerichtet werden. Bei ähnlicher Ausstattung sollten dort vor allem Workshops, eigenständige Einzel-, Partner- und Kleingruppenarbeiten sowie Erprobungen mit Lerngruppen aus Schulen möglich sein. (Seite 148: )
Über solche Übungsmöglichkeiten in Multimedia-Seminarräumen oder Medienwerkstätten hinaus sollten Lehrende und Lernende, die Medienangebote mit höheren technischen Anforderungen analysieren oder auch selbst multimediale Materialien, inklusive der Einbindung von Video, erstellen wollen, auf eine hochwertige Ausstattung mit kompetenter technischer Beratung und Unterstützung zurückgreifen können.
Um Lernenden und Lehrenden die Möglichkeit zu bieten, sich für die Analyse von Medienprodukten und für die Erstellung von Unterrichtsplanungen mit Softwareangeboten auseinander zu setzen, ist es notwendig, ausgewählte, exemplarische Unterrichtssoftware bereitzustellen. Bei der Auswahl der Produkte sollten die verschiedenen Softwaretypen (z. B. Tutorials und Übungsprogramme, spielerische Lernprogramme, Computerspiele, Simulationsprogramme, Datenbestände und Datenbanken, Werkzeuge, Programmiersysteme, Hypermedia-Arbeitsumgebungen) vertreten sein. Eine geeignete Dokumentation sollte den Zugriff für Lehrende und Lernende unterstützen.
Für die Entwicklung der technischen Infrastruktur sollte eine Zusammenarbeit mit medienrelevanten Einrichtungen innerhalb - gegebenenfalls auch außerhalb - der jeweiligen Institution, zum Beispiel mit Medienzentren oder Rechenzentren, angestrebt werden. Für die Finanzierung sind in der Regel Antragstellungen im Rahmen geeigneter Programme notwendig.
Entwickeln einer geeigneten Personal- und Organisationsstruktur:
Für Institutionen der Lehrerbildung, die ein Veranstaltungsangebot zur Medienverwendung und zur Medienerziehung bzw. Medienbildung entwickeln möchten, gibt die Kommission folgende Empfehlungen: Als erster Schritt zur Entwicklung und zur Erprobung eines Veranstaltungsangebots sowie geeigneter Veranstaltungsformen sollte an der jeweiligen Institution eine Arbeitsgruppe eingerichtet werden. Der Arbeitsgruppe sollten (möglichst) Mitglieder aus verschiedenen Bereichen angehören, die innerhalb und außerhalb der jeweiligen Institution für die Lehrerbildung und Medienfragen wichtig sind. (Seite 149: )
Für die Bildung der Arbeitsgruppe ist es günstig, wenn es mindestens eine Stelle in der Institution gibt, zu deren Arbeitsgebiet die Medienpädagogik gehört. Unter Umständen muss eine entsprechende Stelle eingerichtet werden.
Von dieser Stelle aus könnten die Kontakte und Arbeitszusammenhänge mit den anderen Bereichen aufgebaut werden. Daneben ist die Sicherstellung medientechnischer Unterstützung außerordentlich wichtig.
In der Arbeitsgruppe sollte eine Verständigung herbeigeführt werden über
- medienpädagogische Grundlagen, z.B. Leitideen und Aufgabenbereiche der Medienverwendung und Medienerziehung bzw. Medienbildung in Schule und Lehrerbildung,
- Aufgaben und Zielsetzungen der Arbeitsgruppe, insbesondere über die Entwicklung eines konzeptionellen Rahmens, über den Aufbau oder die Weiterentwicklung der Infrastruktur, über die Entwicklung von Kooperationsformen,
- mögliche Evaluationen.
Für die Entwicklung des Lehrangebots sollte sich die Arbeitsgruppe regelmäßig treffen. Als Instrumente für die Planung haben sich Veranstaltungsankündigungen bzw. -kommentare und ihre Besprechung mit der Prüfung hinsichtlich der notwendigen Breite und Tiefe des Angebots bewährt.
Für die Dokumentation eignen sich Kurzbeschreibungen. Die Diskussion der Erfahrungen kann zugleich der Evaluation dienen. Für die Evaluation empfiehlt es sich - außer Rückmeldungen und Diskussionen - auch Befragungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und einzelne veranstaltungsbezogene Tests oder Klausuren sowie eine Auswertung von schriftlichen Ausarbeitungen oder von anderen Formen der Leistungserbringung durchzuführen. Die Arbeitsgruppe sollte den gesamten Prozess der Entwicklung des Lehrangebots und der technischen Infrastruktur begleiten und evaluieren.
Dabei sollten auch eigene Qualifizierungsmaßnahmen geplant und realisiert werden. Außer regelmäßigen Arbeitssitzungen empfiehlt es sich, während des Entwicklungsprozesses von Zeit zu Zeit einen ganztägigen Workshop durchzuführen, in dem - neben Qualifizierungsmaßnahmen - auch weiter gehende inhaltliche Fragen diskutiert werden können. (Seite 150: )
Im Laufe des Entwicklungsprozesses sollte eine Kontaktaufnahme, die möglichst in kooperative Aktivitäten einmünden sollte, mit anderen lehrerbildungs- und medienrelevanten Einrichtungen der Region erfolgen, z. B. mit Medienzentren, Ausbildungsschulen, mit dem Schulamt und mit Medienzentren.
Dabei sollte möglichst ein regionales Unterstützungs- und Beratungssystem - getragen von einem regionalen Beirat - entstehen."
vollständiger Text: http://www.zlh-hamburg.de/zlh/wp-content/uploads/2007/07/bericht-hkl-gesamt.pdf